ÖV vergleichen, regelmässige LeserInnen des Haustausch Blogs wissen, dass es ein beliebter Zeitvertreib meinerseits in den Ferien ist. Hier meine äusserst subjektiven und auf einer kleinen Datenmenge beruhenden Eindrücke zum Zugfahren in Grossbritannien:
Autoland Das Vereinigte Königreich ist ein Autoland. Selbst auf Landstrassen ist viel Verkehr und wir sind schon mehrmals irgendwo im Chruut im Stau gestanden. Die Briten besteigen pro Jahr nur halb soviel den Zug wie wir (52 zu 26) und legen deutlich weniger Kilometer zurück. Obwohl das Angebot nicht so schlecht wäre. Für die Strecke heute hätte es drei mal pro Stunde eine Verbindung gehabt. Das ist auch bitter nötig weil es gibt ziemlich oft einen..
Zugsausfall Während 20 Minuten warten am Bahnhof sind drei Züge ausgefallen oder umgeleitet worden, das ist bei uns auch möglich aber nicht so oft. „We are sorry for any inconvenience this incident may cause to your travel plans“ lief in Dauerschleife. Auf der Rückfahrt blieb der Zug im Bahnhof stehen, weil die Scheibenwischer defekt waren. So mussten wir alle aussteigen, aber in 15 min kam zum Glück schon der nächste. Wir haben die Lok noch begutachtet, die Scheibenwischer waren vorher schon nur noch mit Kabelbinder befestigt gewesen… Darum ist es kein Wunder das es oft
Verspätungen gibt. Der Express nach London war immer pünktlich, heute hatten wir weniger Glück. Aber die Virgin Rail app war immer auf dem Laufenden. Auf einem Plakat stand, das letztes Jahr 79% aller Züge nur noch 10 Minuten oder weniger Verpätung hatten, das scheint ein Grund zum Feiern zu sein. Dafür gibt es noch die
Station Service Masters, auch auf den kleineren Bahnhöfen gibt es noch einen Bahnhofsvorstand. Als wir im malerischen Winslow gestrandet waren, hat er alle Reisenden gefragt wohin sie reisen und Auskunft gegeben, welche Verbindung nun am Besten sei. Die Frage ist hier nun nach Ursache und Wirkung, wer war zuerst, die Ausfälle und Verspätungen oder der Station Master. Einerlei, trotzdem schade das sie bei uns überall wegrationalisiert wurden. Den Vorstand vom Kreuzlingen Bernrain Bahnhof kannte ich nach fünf Jahren Semi mit Namen.
Gleiswechsel Es wird viel gemotzt über die SBB, aber glaubt mir sie ist meist ein Geschenk des Himmels. Unser erster Zug hatte 15 Minuten Verspätung, kurz bevor er eintreffen sollte wurde das Gleis gewechselt und alle sind losgerannt. Wir kamen gerade auf der anderen Seite die Treppe hinunter und der Zug fuhr schon ein, im Zug dann ein riesen Chaos. Mit einem Kinderwagen, gute Nacht am Sechsi. Durch die engen Gänge kamen wir fast nicht durch. Der ICN ist eine Turnhalle dagegen. Dafür hatte es extra Personal für behinderte oder ältere Menschen, die sie bis zum Eingang begleiteten. Eher mental eingeschränkt waren dafür einige
Passagiere. In einem Zug terrorisierte eine betrunkene (hoffentlich war sie betrunken und ist nicht immer so) Frau das Abteil, im anderen Zug versuchte ein Habasch den Korken einer Weinflasche mit dem Schlüssel zu entfernen. Dieser rutschte natürlich in die Flasche, aber da sie es sowieso aus Plastikbechern tranken war der Geschmack wohl nicht so wichtig. Seine Angebetete trank es trotzdem. Grosses Kino kann hier auf zwei Schienen erlebt werden. Aber ein Plus gibt es zum
Preis Wir haben von Martin, dem Hausherr von Crewe den Tipp bekommen, eine Family and Friends Railcard zu erstehen. Wenn min. ein Erwachsener mit einem Kind reist ist eine erwachsene Person gratis und die Kinder zahlen nur 60% des Preises. Das ist echt super, vor allem weil auch Ausländer davon profitieren können. So sind wir günstig nach London gekommen, ausser die Reise liegt in den Peek (Haupt-) Zeiten, dann ist Zugfahren auch hier eine teure Angelgenheit.
Abschliessend kann ich sagen wäre der britische Service mit schweizer Präzision wohl das Zugparadies Europas. Oder pädagogisch ausgedrückt, britische Züge hätten grosses Potential.